Äthiopien

Geschichte Äthiopiens

Äthiopien liegt auf prähistorischem Boden und wird als eine der Wiegen der Menschheit gesehen. In der Danakil-Tiefebene wurden über 3 Millionen Jahre alte menschliche Skelette gefunden. Äthiopien bzw. sein Vorgänger, das Axum Reich ist auch einer der ältesten definierten Staaten unserer Erde und als zweites Land der Welt führte es das Christentum (orthodox) als Staatsreligion ein.

Die Italiener besetzten Äthiopien von 1935 bis 1941, investierten dort einen hohen Anteil ihres eigenen Landeshaushaltes und überzogen das Land mit einem Netz asphaltierter Strassen. Der letzte Kaiser, Haile Selassie, machte sein Land durch Modernisierungen wie eine neue Universität, eine leistungsfähige Airline und die Ansiedlung internationaler Organisationen in der Welt bekannt. Er wurde 1974 unter dem Eindruck der Hungerskatastrophe durch eine Revolution von Militaer, Polizei und junger “Intelligenz” entmachtet.

Für die nächsten 20 Jahre regierte der “Derg”, ein Militärrat, der wegen seiner sozialistischen Strategien sofort die Gunst der westlichen Freunde des Landes verlor, sich danach Russland zuwandte und ein Terrorregime einrichtete. Der Derg musste sich 1977 im “Ogaden Krieg” mit den Gebietsansprüchen der Somalis auseinandersetzten.

Im Jahr 1991 maschierten dann die vereinten Befreiungsfronten Tigres und Eritreas, die EPRDF in Addis Abeba ein. Ihr Führer Meles Zenawi, der heutige Premierminister übernahm die Macht in der “Federal Democratic Republic of Ethiopia”, die 1994 ihre Struktur mit Bundesrat und Parlament sowie Präsident und Premierminister in einer Verfassung festlegte. Das Land wurde in 10 ethnisch bestimmte Provinzen eingeteilt, die laut der neuen Verfassung in die Unabhängigkeit gehen konnten. Nur Eritrea nutzte dieses Angebot. Ein Grenzkonflikt führte zum „Eritrea Krieg“ im Jahr 2000.

In 2000 gab es die ersten Wahlen zum Vielparteien-System. Über die Wahlverläufe gibt es immer wieder Diskussionen, die Regierung beeindruckt aber durch Erfolge in Wirtschaft, Infrastruktur und Aussenpolitik. Meles Zenawi starb am 20.8.2012 in einem Brüsseler Krankenhaus. Der Übergang der Macht an seinen Nachfolger Hailemariam Desalegn, einen seriösen Wasserbau-Ingenieur, verlief ohne Zwischenfälle.

Ein orthodoxer Priester

Ein orthodoxer Priester

Die Feldenkirchen in Lalibela

Das neue Addis Abeba: eine Hauptstrasse im Zentrum (2012)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das neue Addis Abeba: eine Hauptstrasse im Zentrum (2012)

Die Feldenkirchen in Lalibela

Das alte Addis Abeba, vor 20 Jahren noch ein grosses Dorf auf den Bergen (2012)

Das alte Addis Abeba, vor 20 Jahren noch ein grosses Dorf auf den Bergen (2012)

 

 

 

 

 

 

 

 

Geographie

Das Land hat 1,130,000 m² und ist damit dreimal so gross wie die Bundesrepublik Deutschland. Zwei Drittel des Landes sind Hochland mit Bergen bis zu 4,600 m Höhe, aus denen der Blaue Nil kommt. Die Wüsten und Steppen des nord- und südöstlichen Tieflandes nehmen das restliche Drittel ein. Die Hauptstadt Addis Abeba liegt ziemlich zentral in einer Höhe von 2,500 m. Andere Städte mit 50 bis 150,000 Einwohnern sind Dire Dawa und Harar im Osten, sowie Dessie und Makelle im Norden. Mit der Rückgabe Assabs am Roten Meer an Eritrea hat Äthiopien seinen Zugang zum Meer verloren.

Pflügen im Hochland

Pflügen im Hochland

Der Haik See bei Dessie

Der Haik See bei Dessie

 

 

 

 

 

 

  Bevölkerung

Äthiopien hat mit 94 Millionen die drittgrösste Bevölkerung Afrikas. Im Jahre 1983 war es noch 34 Millionen. Sie unterteilen sich in 80 Stämme, von denen die grösseren die Oromo, Amhara und Tigre sind. Die beiden genannten Tiefebenen werden von den Afar und den somalistämmigen Issa bewohnt. Im Durchschnitt leben 70 Menschen auf einem Quadratkilometer (Deutschland 220, Bangladesh 700). Orthodoxe und protestantische Christen machen 62% der Bevölkerung aus, 33% sind Moslems. Addis Abeba hat rund 2,5 Millionen Einwohner.

Politik und Verwaltung

Die heutigen 9 Regionen (Provinzen) des Landes sind in Zonen und Woredas (Distrikte oder Kreise) gegliedert. Die Regionen haben gewählte Parlamente (Regional Councils), geniessen offiziell relativ grosse Autonomie und verfügen über ein eigene Budgets. Die Realität dieser Dezentralisierung und die Freiheit bei den Wahlen im Jahre 2005 werden von Beobachtern innerhalb und ausserhalb des Landes kritisch gesehen. Die Opposition brachte 2005 bei den letzten Wahlen 200 Mitglieder in das 547 Mitglieder starke Parlament, und die Wahlen wurden von Beobachterkommissionen als regulär beurteilt. Die Opposition verlor danach Sitze, was wenger mit Manipulation bei den Wahlen als den offensichtlichen Erfolgen der Regierung  im Wirtschaftsbereich zu erklaeren ist. Die nächsten Wahlen sind in 2015.

Wirtschaft

Äthiopien hat eine der am schnellsten wachsenen Wirtschaften der Welt. Das Bruttosozialprodukt, das nun bei 1.300 US$ pro Kopf liegen dürfte, erhöhte sich 2008 um 12% und jetzt noch jährlich um beachtliche 8%. Das Einkommen pro Kopf ist aber immer noch eines der niedrigsten weltweit. 80% der Menschen arbeiten in der Landwirtschaft. Das Land könnte mit modernen Anbaumethoden nicht nur sich selbst, sondern auch grosse Teile Afrikas ernähren. Exportiert werden in erster Linie Kaffee, Felle, moderne Lederwaren, Gold und zunehmend Blumen. Der vermutliche Mineralreichtum des Landes wird bisher kaum genutzt. Hydroenergie wird ein wichtiger Exportartikel werden, wenn Nachbarländer wie Kenya und Sudan sich zu Abnehmern entwickeln. Das gesamte Fernstrassennetz wurde überholt, die Eisenbahn von Addis nach Djibouti wird auf Vollspur erweitert, und eine Verbindung von Kenia zum Südsudan ist geplant.

Ein Bauer bei Woldya mit seiner Tochter

Ein Bauer bei Woldya mit seiner Tochter

Bauteile fuer einen Windpark auf der neuen Fernstrasse bei Chifra

Bauteile für einen Windpark auf der neuen Fernstrasse bei Chifra

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sozialsysteme

Das Gesundheitssystem hat sich in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert ist aber noch stark entwicklungsbedürftig. Ein Arzt kommt z.B. auf 35,000 Menschen, während die WHO als Minimum 1:10.000 fordert, und es in Deutschland 500 sind. Von 1000 neugeborenen Kindern sterben immer noch 57 im ersten Lebensjahr, vor 9 Jahren waren es aber noch 77. Im Durchschnitt wird ein Äthiopier 58 Jahre alt, ein Deutscher 82.

Sofort nach der Machtübernahme durch den Militärrat im Jahr 1974 entwickelte Äthiopien ein Schulbauprogramm und ein Alphabetisierungsprogramm, das nach Urteil der UNESCO mustergültig war. Die Alphabetisierungsrate liegt inzwischen bei 45% für Männer aber nur 25% für Frauen. Verwaltung sowie Disziplin und Arbeitsmoral des Personals sind besser als in vergleichbaren Ländern. Im Moment macht sich Äthiopien mit Entschlossenheit an die Einführung einer sozialen Krankenversicherung.